Vorschau: Maximilian Hecker im Privatklub, Berlin 22.1.2015

Was geht eigentlich grad bei Maximilian Hecker, diesem Freigeist, Weltenbummler und ständig Suchenden? Der seine Eindrücke von Orten, vom Leben, Leiden und Sein vertont und dessen Musik klingt, als wäre er auch dann auf Reisen, wenn er einfach nur daliegt?

 

Genau bei diesem Maximilian Hecker geht am 22. Januar mal wieder ein Konzert in Berlin klar, wo er ja eigentlich auch ab und zu mal wohnt, wenn er nicht gerade durch Asien tourt oder durch dänische Dörfer wandert. Und ganz ohne Grund kommt er nicht. Immerhin ist diese Woche eine neue Platte von ihm rausgekommen, die viel verspricht, aber noch ein paar Fragen für live offenlässt. Die sollten sich am Donnerstag im Privatklub klären. Wir gucken uns das mal an. Und ihr? Für alle Fälle gibt’s hier nachher einen Konzertbericht.

Niels Frevert – Paradies der gefälschten Dinge

Mit seinem Album Paradies der gefälschten Dinge stellt sich Niels Frevert in die Tradition dieser Nordsee-Chansons, die einst Hans Albers aus den Shantys heraus ausgeprägt hatte, die, um absurde Metaphern bereichert, zuletzt durch Bands wie Element of Crime im Indierock aufblühten. Doch Frevert gibt ihnen spätestens auf seiner nunmehr sechsten Studioveröffentlichung eine neue Richtung und nähert sehnsüchtige Kantholztexte und kratzigen, unbeirrten Gesang an radiotaugliche Sounds an. Gar nicht so dumm, gar nicht so leicht.

 

Und es geht um die großen Institutionen. Mit Morgenshows und Flitzerblitzern. Wo Madonna läuft. Und Herbert Grönemeyer. Bei Letzterem mit seinenGrönland Records steht er auch seit kurzem unter Vertrag. Und genau das scheint es zu sein, was das Label ausmacht: zwischen Individualkünstlern und Radios zu vermitteln, das „Besondere“ einfangen und zugänglich machen, den Mainstream erweitern. Evidenzen finden sich bei BoyPhilipp Poisel,GloriaWilliam Fitzsimmons und natürlich Herbert himself, die sich ansonsten alle gemeinsam schwer über einen Kamm scheren ließen.

 

Doch zu Album. Nadel im Heuhaufen, der erste Song, ist der Vertrag mit dem Publikum – zeitlos instrumentiert, mit Klavier, Akustikgitarre, dezenter Rhythmusgruppe, Streichern, Bläsern. Musikalisch geschlossen, textlich offen für alles. Das zieht sich auch die verbleibende restliche halbe Stunde Spielzeit durch die Songs. Über ein weiches Soundbett klettert ein nachdenklicher Gesang, der viel zu wach ist, um sich einlullen zu lassen und sich Popsongs zu ergeben. Textlich hangelt er sich, wie in einem Jump-n-Run-Spiel, zwischen verschiedenen Definitionen des Glücks, der Liebe und des guten Lebens durch den Melodiedschungel, und versucht fasziniert, ihre Widersprüchlichkeiten einzufangen: die Geburt der Metaphern. Von hier an entstehen wie moderne Kunst die abstrakten Bilder, die das Album packend machen. Die bunte Collage einer komplexen Seelenwelt. Dann landet ein Ufo senkrecht auf dem Kirchentag. Oder die erstklassige Frau und der zweitklassige Typ treffen sich im Speisewagen.

 

Frevert hat begriffen, dass sich aus den vielen kleinen Detailansichten eines Lebens ja eh keine Geschichte ergeben. Sonst wär ja alles gut. Also baut er lieber Kunstwerke aus dieser Einsicht. Dramatisch werden seine Songs an Stellen, an denen eine Distanz spürbar wird zwischen dem, was er singt, und der Art, wie er es singt. Wenn sein Erzähler beginnt, die Konsequenzen seiner melancholischen Weltbetrachtungen zu ziehen und zugunsten der anderen Abstriche seines eigenen Glücks macht. Wenn Sehnsüchte durchklingen.

 

Und manchmal laufen ausschweifenden Monologe auf simple Formeln zu, die dankbar von den Instrumenten aufgefangen werden, als hätten sie nur drauf gewartet. Daraus ergeben sich überraschende Hooks, die nicht vorauszusehen waren. „Und plötzlich will ich irgendwann mal alt werden“. Frevert spielt mit seinem Publikum. Und beherrscht das Spiel. Er verweigert sich Taktschemen, was das Album letztlich sogar ein wenig jazzig macht. Dennoch bleibt es stilistisch schwer einzuordnen. Auch Versmaß- und Reimschemenanalysen der Texte würden in die Verzweiflung führen. Niels Frevert schafft seine eigenen Kriterien, anhand derer man ihn bewerten muss. Und das ist Leistung genug, doch auch die Kür geht ihm leicht von der Hand. Doch er macht nicht viel Aufsehen darum. Nichts ist unnötig aufgeblasen, am Ende klingt die Platte einfach ruhig aus. Ohne Finale, ohne Hymne. Zu Recht erhält Frevert also mit seinem aktuellen Album die Aufmerksamkeit, die er verdient. Trotzdem würde ihm eine Kritik nicht gerecht, die nicht wenigstens mit einem widersprüchlichen Fazit abschließt.

 

Also: Paradies der gefälschten Dinge ist zeitloser Zeitgeist. Es hätte zu jeder Zeit funktioniert, wäre aber immer etwas Besonderes gewesen.

 

Gregor

Musik auf Berliner Straßen

In Berlin auf den Straßen unterwegs zu sein bedeutet, sich von den Vibes und Tunes anziehen zu lassen, kreative Luft einzuatmen und zu spüren, dass in dieser Stadt etwas möglich ist und auch wirklich etwas passiert.

Wer sich in Berlin mal die Zeit nimmt, das Wahrgenommene zu verarbeiten, sich buchstäblich darauf einzulassen, der oder diejenige hat die Chance, das Wirken und die Faszination der Berliner Straßenmusiker_innen mit offenem Geist zu verfolgen.

Straßenmusik in Berlin ist international, auf Solidarität angewiesen und versucht, wie sollte es anders sein, mit anderen Weltmetropolen standzuhalten. Das musikalische Spektrum erstreckt sich dabei oftmals über digital verstärkte Instrumente, Beats bis hin zu Gesängen. 

Hotspots, wie die Warschauerbrücke, sind voll mit Musikstudenten, kompletten Bandbesetzungen und spontanen  musikalischen Darbietungen. Rein akustische und analoge Straßenmusik, das war gestern. Zumindest, wenn das Ziel verfolgt wird ein professioneller Musiker zu werden. So steht erst ein Mal, die technische Ausstattung im Vordergrund, bevor es auf die Straße zum musizieren geht, mit einer ungewissen Zukunft.

Die Akzeptanz, der wohl größten offenen Bühne Berlins, schrumpft.

„Performance, technische Ausstattung und Songschreiber_innen-Qualitäten, zeugen von hohem Wert.“ 

So oder so ähnlich könnte das Land Berlin Werbung für „seine“ Straßenkünstler machen. Wenn, ja wenn, ein Interesse bestände, diese Form der Kunst zu fördern und zu unterstützen. 

Aber, bis auf undurchsichtige und nicht allgemeingültige Regelungen, bis hin zu Verbots-Gesetzen und damit verbundenen Strafmaßnahmen, hat das Land Berlin nicht all zu viel übrig für diese Kleinkunst. Wodurch dem ein oder anderem Künstler, im wahrsten Sinne, die öffentliche Straße unter den Füssen verboten und auch nicht vor der Beschlagnahmung von Instrumenten abgesehen wird. Auch mit Diebstahl, territorialen Auseinandersetzungen und schlechtem Wetter, muss der Straßenkünstler rechnen. Straßenmusik in Berlin ist Saisonarbeit. 

Straßenmusik ist aber auch längst in der digitalen Ewigkeit und Verwertungsgesellschaft angekommen und hat in dieser Form wenig mit der Kleinkunst am, bzw. im, Hut.

Der internationale Vergleich, mit einem Blick auf Online-Videoplattformen zeigt, dass die Berliner Straßenmusik zumindest hier, noch keine große Bedeutung spielt. Bis auf wenige Ausnahmen, hat die digitale Verbreitung, noch zu keinem höherem Bekanntheitsgrad geführt. 

Dennoch sind die Optionen für die Musiker gut, so kann es schnell von der Straße in eine Bar, in einen Club oder in ein Studio gehen. 

Das Potential der Musik auf Berliner Straßen ist zwar noch längst nicht ausgeschöpft, stößt aber in ihrer jetzigen Entwicklung an seine Grenzen. Die Politik ist sich uneinig, die Anwohner sind zum Teil genervt und das, obwohl Musik doch verbindet. Aber wie heißt es so schön: „Dort, wo eine Kunstform auf Widerstand trifft, beginnt sie zu wirken.“

Straßenmusik in Berlin ist Wanderarbeit, von Ort zu Ort, vom Smartphone auf digitale Plattformen, von der Straße auf die Bühne. Das ist der Wunsch von vielen Straßenmusikern, auch von denen, die jetzt mit der Straßenmusik anfangen wollen, inspiriert von der Musik auf den Straßen Berlins.

Die Möglichkeit, eine musikalische Live-Performance „for free“, quasi als „music to go“, erleben zu dürfen, zählt oft zu meinen persönlichen Highlights. In unregelmäßigen Abständen, werde ich euch von den musikalischen Lichtgestalten der Straße berichten, mit Hilfe von Interviews, die Entwicklung der Straßenmusik beschreiben und einfach gute Musik unters Volk mischen.

Bei dem anstehendem Wetter, werde ich auf „open stages“ ausweichen, um die aktuell entstehende Musik in Berlin zu vermitteln. Ich freue mich über Anregungen.

John

Erlend Øye im Astra, Berlin 11.10.2014

In den sozialen Netzwerken und diversen Medien scheint Erlend Øye so etwas wie der Künstler der Stunde zu sein. Als der Schmächtige mit der großen Brille stilisiert, strahlt er einen seit Wochen von nahezu allen (Web-)Seiten an. Dabei erlangt er durch seine eigenwillige Ästhetik aus zeitloser Fönfrisur, grellem Kassengestell auf der Nase und einem ständigen Bill-Gates-Schmunzeln auf den Lippen eine ungeheure Präsenz, die einem den Finger beim Weiterscrollen lähmt und zumindest kurz zum Mitschmunzeln animiert.

Obwohl er nie so weit im Vordergrund stand wie jetzt, ist Erlend Øye ein alter Bekannter. Und wer ihn noch nicht kennt, hat zumindest lange mit ihm koexistiert. Bereits 2001 hat er sein Studiodebüt im Duo Kings of Convenience gefeiert, und erst im Juni 2014 die Auflösung seiner Zweitband The Whitest Boy Alive bekanntgegeben. Offenbar sah er mal wieder den Zeitpunkt für ein neues Soloalbum gekommen, von denen er auch alle paar Jahre mal eins ausspuckt. Eine Fertigkeit, die Erlend Øye beherrscht, ist es, sich nach vorne zu lehnen und neue Horizonte zu erschließen.

 

Er hätte auf dem Album verschiedene Wege gehen können: die Akustikgitarrenmusik der Kings of Convenience fortsetzen, an den subtil funkigen Rock von The Whitest Boy Alive oder den Elektro-Sound seiner früheren Soloplatten anknüpfen können. Oder sich einer isländischen Reggae-Band anschließen können. Letzteres hat er getan. Es fällt schwer, griffige Hypothesen zu formulieren, die diesen Schritt erklären. Eine könnte wie folgt lauten: Wenn es ein Element gibt, dass Norwegen, die Heimat Øyes, mit seiner Wahlheimat Silizien verbindet, dann ist es der Einfluss des Golfstroms. Und der umströmt auch Island. Und er kommt aus der Karibik. Genau wie Reggae.

 

Grund genug also für ihn, den Sommer in einem Keller in Reykjavik zu verbringen und in Sessions ein faszinierend liebevolles Album auszuarbeiten, das mittlerweile unter dem Namen Lagao veröffentlicht wurde. Seine neue Band hört auf den Namen The Rainbows und verkörpert für sich genommen par excellence etwas, das man den Friska-Viljor-Effekt nennen könnte: Sie sehen aus wie Wikinger und klingen wie ABBA. Nur entspannter. Aus handgemachtem Offbeat-Pop bauen sie Øye, dem bunten Vogel, ein musikalisches Nest, in dem er neu erfinden kann, was er immer macht und was sein Werk eint.

 

Sein Albumcover, auf dem sein Kopf inmitten einer psychedelisch-infantilen Hawaiihemd-Motivs erstrahlt, illustriert es: Er bringt Sachlichkeit in Landschaften. Noch viel mehr, wenn diese aus Musik sind. Seine Stimme allein strahlt mit Leichtigkeit eine herzliche Geborgenheit aus. Und da er sie ständig mit ureigener Faszination neu inszeniert, wird seinen Fans nicht langweilig. Immerhin scheinen ihn ein paar Akkorde und Wendungen wie diese vielen verspielten kleinen Gitarrenmelodien über die ganze Zeit hinweg zu begleiten.

 

Gegenüber seinem ruhigen Sound, dessen Manifest Quiet is the new Loud darstellt, sind seine musikalischen Entscheidungen ungeheuer virtuos. Vermutlich wussten viele seiner Fans noch gar nicht, dass sie Reggae mögen. Doch das Vertrauen darin, dass jede seiner Entscheidungen eine gute ist, ist mittlerweile so groß, dass 1200 Leute am Samstag neugierig ins Astra strömten, um einen Abend lang den gerade neugeborenen Erlend Øye zu begutachten. Die medialen Vorzeichen reichten aus, um den Club zumindest nahezu auszuverkaufen.

 

Was genau er mit seinem neuen Projekt vorhatte, wird live klar: Erlend Øye wollte einfach mal seine Fangemeinde zusammentrommeln und mit ihnen tanzen. Und dabei ist es nicht im Geringsten so, als würde er The Rainbows zu diesem Zweck ausnutzen. Vielmehr prägte den mehr als zweistündigen Auftritt vor allem ein gegenseitiger Respekt der Musiker. Die Band, allesamt Multiinstrumentalisten, überraschte mit vielseitigen Sounds, die auf einer Skala zwischen Fahrstuhlmusik und orchestralen Hymnen durch das Gesamtwerk Øyes, seine Schöpfung, führte, als hätte es nie eine Kluft zwischen Perfektionismus und Tanzmusik gegeben.

 

Mal waren acht Mann auf der Bühne, mal nur drei, dann mal wieder der entspannteste Frontman der Welt allein mit seiner Gitarre. Zwischendurch überließ der gar seinem Hammond-Organisten Siggi die komplette Bühne: einem bärtigen Zottel im Wo-ist-Walter-Outfit, der kurz an die Akustikgitarre gelassen wurde und inbrünstig auf Isländisch einen Eros-Ramazotti-ähnlichen Song präsentierte, während man Øye nur hinter der Bühne tanzen sah – mit seiner Art Hawaiikette aus Goldlametta, in einem blauem 90er-Hemd und grauer Bürohose. Das Wort „bizarr“ wird all dem nicht im Geringsten gerecht. Und eine letzte voluminöse Zugabe führte mit Posaune und Querflöte nochmal eindringlich ins Bewusstsein: Erlend Øye kann eigentlich alles. Zum Beispiel das Astra zum Springen bringen, und nicht nur The Rainbows folgen ihm blind. Wie einst die starken Männer Wickie folgten. Ähnlichkeiten sind tatsächlich unübersehbar.

 

Øye liebt schöne Dinge und hätte sein Leben genauso gut auf Wikingerraubzügen in der Südsee verbringen können. Nur hätte er sie vermutlich benutzt, um Schmetterlinge zu sammeln. Zwar kann niemand ihn voraussehen, doch Erlend Øye findet immer seinen Weg. Dankbarerweise macht er Musik. Ebenfalls kündigte er mit ein paar kurzen Nummern sein nächstes Projekt an: ein Album mit italienischen Schlagern. Warum eigentlich nicht? Hoffentlich folgen ihm die starken Männer. Das Astra wird sicher zur Stelle sein.

Gregor

We were promised Jetpacks mit Fatherson im Lido, Berlin 27.09.2014

Foto: John Heidkamp

Indie-Rock ist großartige Musik. Unabhängig, individuell und handgemacht. Und verliert eine Band eines dieser Ideale, dann ist sie eben keine Indie-Rock-Band mehr. Aber ist es nicht etwas komisch, dass selbst gestandene Liebhaber des Genres, die sich seit Jahren auf Konzerten tummeln, überrascht sind, wenn auf einmal eine Band daherkommt, die vor allem durch außergewöhnlich guten Gesang strahlt? Ist es nicht merkwürdig, Fan einer Musikrichtung zu sein, bei der es nicht darum geht, Talent zu zeigen und anstatt große Virtuosität an den Tag zu legen, vielmehr einfach etwas Schönes aus dem zu machen, was man hat? Ich mein, das ist doch Indie. Da haben doch gute Sänger gar nichts verloren. Die können doch Folk machen, wenn die gut singen können. Aber sie sind eben nicht dazu verpflichtet.

 

Dachte sich Schotte, Sänger und Gitarrist Adam Thompson und gründete 2003 mit Schulfreunden die Band We Were Promised Jetpacks. Jetzt sind sie groß und zehren Album um Album von dem Sound, den sie geschaffen haben: Gitarrenrock. Unabhängig, individuell, handgemacht und wuchtig durch einen Gesang, der sich in jeden Ton kniet. Umso mehr noch, wenn sie live spielen. Im Moment sind sie mit ihrer dritten LP Unravelling auf Tour und haben dankenswerterweise am 27.9. im Lido angehalten. Mit Fatherson hatten sie eine Vorband am Start, die Arsch auf Eimer ins Programm passt. Ganz so, als würde sich eine Subkultur vorstellen. Und Fatherson sehen auch noch so aus, als würden sie Folk machen. Mit Bärten über den Babyfaces. Vatersöhnchen halt.

 

Die Auftritte beider Bands selbst wurden vortrefflich inszeniert. Kein Rampenlicht auf die Musiker, dafür in ihrem Rücken eine Wand aus Suchscheinwerfern, die passiv durch sie durch über das Publikum hinweg strahlten. Dadurch entsteht ein anderes Raumverhältnis als normalerweise auf Konzerten. Bühne und Publikumsraum sind keine getrennten Räume. Beides verschwimmt und durch alles dringt die Musik.

 

We were promised Jetpacks strahlten Erfurcht vor ihrem Publikum aus. Statt einstudierter Ansagen bedankten sie sich in jeder Unterbrechung unzählige Male, als wollten sie sagen: „Es ist unfassbar, dass ihr alle wirklich gekommen seid und unsere Musik euren niedrigen Ansprüchen genügt!“ Und auch ihr Set lief nicht stumpf auf die bekannten Songs zu, sondern fuhr mit vielen feinen Übergängen auf. Quiet Little Voices etwa fand seinen Platz genau an der richtigen Stelle, mitten im Set. So muss das. Danach kommen die Zugaben. Und doch wirkte es fast so, als würde sich die Band hinter ihren eigenen Songs verstecken, denn sie sind das blanke Gegenteil einer Showband. Die Show ist die Musik. Und manchmal schien es, als wäre ihre Musik eine Maschine, bei der keiner aus der Band riskieren möchte, einen falschen Knopf zu drücken. Der gesamte Auftritt verbleibt wie ein Understatement auf ihre Musik. Doch das macht sie eben aus, die meinen das ernst.

Gregor

Foto: John Heidkamp

Foto: John Heidkamp