Konzertankündigung Kalle Mattson (Monarch) + A Tale Of Golden Keys (Kantine Berghain)

Na da hat sich Trickser Tonträger ja was was Süßes so kurz vor Weihnachten einfallen lassen:

2 Tage hintereinander Spass haben, sich beschallen lassen und in die Musiker verlieben, am 25.11. mit Kalle Mattson im Monarch und am 26.11. gehts dann frisch weiter mit A Tale Of Golden Keys in der Kantine – Da braucht man die Bierflasche zwischendurch nicht aus der Hand zu legen….

 

Aber nun der Reihe nach.

Kalle Mattson

Kalle ist ein kanadischer Musiker, der dem Folk-Genre entwachsen ist und nun die Pop-Arena sein zu Hause nennt.

Der Titelsong seiner im Oktober erschienen EP “Avalanche” (erschienen bei der Plattenfirma Trickser Tonträger) sprüht nur so vor Energie, dass man einfach tanzen muss. 

Natürlich laden auch Songs wie “A Long Time Ago” und “Baby Blue” zum träumen ein, wer nicht träumen mag holt sich halt n Bier und wippt umher.

Kalle spielt am 25.11.2015 ab 21Uhr im Monarch, Skalitzer Straße 134, 10999 Berlin

Zum Facebook-Event geht hier entlang: https://www.facebook.com/events/1646981365519991/

 

A Tale Of Golden Keys

3 Jungs aus dem Umland von Nürnberg schreiben sich ihr innerstes von der Seele, helfen tut ihnen dabei die Abgeschiedenheit in ihrem Haus in Eckersmühl.

Die Band braucht nicht viel um große Stücke zu komponieren, die wenigen Stilmittel die sie einsetzen machen Songs wie “All of this” zu etwas Besonderem, zu Musik wo man sich den Herzschmerz seiner ersten großen Liebe zurückwünscht um ihr dann dreckig ins Gesicht zu lachen. ♥

“Everything went down as planned”(erschienen bei der Plattenfirma Trickser Tonträger), ihr seit Oktober erhältliches Album, wird am 26.11. in der Kantine live vorgestellt.

Gregor hatte sich das gute Stück schon im Oktober angehört und rezensiert: http://www.berlinmittemusic.com/a-tale-of-golden-keys-everything-went-down-as-planned/

A Tale Of Golden Keys spielen am 26.11.2015 ab 21Uhr in der Kantine am Berghain, Am Wriezener Bahnhof, 10243 Berlin.

Zum Facebook-Event gehts hier entlang: https://www.facebook.com/events/1187559194602827/

 

Gewinne Gewinne Gewinne

Wir verlosen pro Konzert 2×2 Konzerttickets, schreibt uns bis zum 24.11.15 eine Mail an: tickets@berlinmittemusic.com !

A Tale of Golden Keys – Everything Went Down as Planned

Nach fünfjähriger Bandgeschichte veröffentlichen A Tale of Golden Keys ihr Debütalbum Everything Went Down as Planned. Dem wiederum hört man an, dass die drei talentierten Musiker des Projekts ihre gemeinsame Zeit sinnvoll genutzt haben und zu einer gereiften Band zusammengewachsen sind. Als solche haben sie sich von EP zu EP immer weiter von gängigen Genres isoliert, weshalb auch immer das leise Gefühl mitschwingt, ihre Kunst kaputtzumachen, sobald man anfängt, sie zu beschreiben. Für Pop haben sie zu viel Kraft, für Rock zu viel Feingefühl, für Folk stehen sie zu sehr auf Synthesizer, für Synthiepop zu sehr auf hohle Instrumente. Und für New Weird Bavarian sind sie zu bescheiden. Aber warum soll man sich auch einschränken, wenn doch der perfekte eigene Sound irgendwo zwischen den Schubladen rumliegt und man in der komfortablen Lage ist, ihn zu finden? Und A Tale of Golden Keys tragen nunmal diese seltene Begabung mit sich herum, aus den verschiedenen Indie-Elementen etwas Eigenes zu schaffen: einen völlig unaufgeregten Crossover.

Und die Unentschiedenheit des Genres ist es auch, was ihre Musik spannend macht, die sonst eher zurückhaltend ist und ihren Hörer*innen selbst durchaus Sensibilität abverlangt. Über subtilen, aber bestimmten Rhythmen und feinen Harmonien liegt ein andächtiger, mehrstimmiger Gesang. Sie haben viel Kraft, setzen diese aber bescheiden und klangverliebt ein. Immer wieder erarbeiteten sie sich diese aus der Tiefe leiser Klänge und zeigen, dass ein einfacher Klavierton härter einschlagen kann als ein Gitarrensolo. Sie hätten das Ganze einfacher haben können, aber wählen eben die anspruchsvollere Variante. Und an den Stellen, an denen ihre Musik dann wirklich ausbricht, kommt dies, dadurch, dass zuvor alle Alternativen durchgespielt wurden, viel mehr zum Tragen und erscheint so verdient und unausweichlich, dass es gezielten Sprengungen gleicht, die ja bekanntlich zu den schönsten Erscheinungen überhaupt zählen (man muss ja nur mal bei YouTube „Gebäudesprengung“ eingeben). „Everything Went Down as Planned“ entpuppt sich als überaus trefflicher Titel, so wie der Herbst sich als ein dankbarer Zeitraum für das Releasedatum erweist. Denn man kann die kalten, sonnigen Herbsttage zwar auch komplett ohne Musik genießen, aber mit den melancholischen Songs, die A Tale of Golden Keys nunmehr auf den Markt geworfen haben, fällt das doch erheblich leichter.

 

Gregor

Vögel die Erde essen – Besuch von innen

Vögel die Erde essen lassen sich schwer einfangen. Das wissen Jäger seit langem, das kriegen aber auch Musikjournalistinnen im Moment zu spüren. In diesen Tagen veröffentlicht diese Band mit dem Namen, der in jedem Festival-Line-Up die schöne, homogene Bandnamenreihe sprengt, ihr Debütalbum Besuch von innen. Wer je etwas von ihnen gehört hat, weiß, dass es viel zu erwarten gibt. Eine Menge Chaos und drei mutige Musiker, die sich ihm stellen. Aber was passiert da genau?

Es gibt: sich überschlagendes Getrommel, einen knurrend treibenden Bass, oft heulende, kryptische, dissonante Gitarrenspuren. Und dreistimmigen Gesang, der sich irgendwo zwischen Frittenbude-/Deichkind-Lebensparolen und Falsettarien bewegt. Wenn sich letztere hymnisch über einen vollen Groove-Rock-Sound erheben, erinnert die Band vom Sound her fast ein wenig an Muse. Was natürlich erstmal eine Palette ist. Aber alles ist momenthaft. Irgendwie ergeben sich auch immer mal Punk oder Noise Rock, wofür ihr Sound am Ende aber dann doch viel zu experimentell ist. Textlich wie musikalisch suchen die drei stets gemeinsam das Absurde, richten sich liebevoll darin ein und hauen alles wieder kaputt. Aber diese drei Phasen fressen sich so geschickt ineinander, dass ihre Musik eine ständige Unruhe produziert, was ihnen wie ihren Hörerinnen aber auch ziemlich viel abverlangt. Die Musik von Vögel die Erde essen ist bestimmt nicht für alle was und sicher keine Tischmusik. Aber dafür sind sie auch nicht angetreten: Wer komplexe Musik sucht, kommt voll auf seine Kosten.

In ihrer Verspieltheit erinnern sie, wenn man sie denn unbedingt vergleichen möchte, am ehesten noch an Bands wie The Mars Volta. Aber ihre Einflüsse erscheinen so unterschiedlich zu sein, dass man sie in jedem Fall von jedem Vorwurf freisprechen muss, es sich in einem Erbe bequem zu machen. Was sie hingegen wirklich charakterisiert, ist die ständige Wachheit, mit der sie ans Werk gehen. Sie sind sich schlicht für nichts zu schade und erspielen sich dadurch eine erfrischende Vielseitigkeit, die ihr Album Besuch von innen prägt.

Ein Beispiel: Der Song fahrstuhl nach unten fängt mit einem melancholischen Gesang an. Irgendwer singt ruhig, aber bedacht, einen Text in ein Mikrofon und singt so etwas wie: „In einer U-Bahn unter dem Meer … Das ist jetzt 150 Jahre her … Und ihr Quietschen reicht bis an den Strand … Und die Fische gehen langsam an Land“. Das hat der Song mit allen anderen des Albums gemeinsam – ständig ergeben sich Bilder, niemals ein vollkommen gedeckter Sinn. Später driftet das Lied ins Psychedelische ab, erreicht irgendwann einen Punkt, in dem er in ein apokalyptisches Finale münden könnte, zerfällt dann aber doch freiwillig in seine Elemente und ergibt sich dem Chaos, aus dem er kam.

Diese Unberechenbarkeit prägt ihren Sound und verspricht eine interessante Zukunft mit der jungen Band, der nichts im Wege zu stehen scheint. Außer dem Chaos selbst eben. Kein Wunder eigentlich, dass sie bei Kreismusik gelandet sind, dem Label, das auch Käpt‘n Peng trägt. Dort scheint sich ja ohnehin eine kleine Do-It-Yourself-Avantgarde zu versammeln, die aufmerksam beobachtet werden sollte. Besuch von innen auf jeden Fall ist eins der Alben der Stunde.

 

Gregor

 

 

Balthazar im Heimathafen, Berlin 28.4.2015

Der Heimathafen Neukölln gehört zu den am schwersten einzunehmenden Clubs Berlin. Ihn zu füllen schaffen einige Bands, ihm gerecht zu werden schon weniger, aber ihn einzunehmen? Sich diesen schönen alten Saal zu eigen zu machen? Wenige. Ich weiß von fünf Personen. Allesamt Mitglieder der belgischen Band Balthazar. Am 28. April gaben sie sich die Ehre, stellten ihr neues Album Thin Walls vor und stellten unter Beweis, wie gut es sich in ihr gesamtes Schaffen einfügt. Aber wer sind Balthazar eigentlich?

Sie treten auf wie eine kleine verschworene Bande, fünf Leute, die scheinbar nichts miteinander gemeinsam haben als, dass sie ab und zu zusammen auf eine Bühne klettern und ihre Unterschiedlichkeit in einen vielschichtigen Sound auflösen. Zwei Frontsänger mit Gitarren geben sich gegenseitig viele Freiräume zur Entfaltung. Der eine klingt mehr wie Nick Cave, der andere mehr nach Alex Turner. Alle Instrumente haben live viel mehr als auf der Platte eine Tendenz zur Übersteuerung, was besonders im Falle der bandeigenen Geige einen bemerkenswert weichen, breiten Klang erzeugt. Mechanische Instrumente mit hohlen Körpern verschmilzen mit synthetischen Klängen zu eigentümlichen Sounds. Balthazars Musik ist nun über drei Alben gereift. In ihr gehen diverse Tendenzen auf. Auf der einen Seite lässt sich ein gewisser Stoner-Einfluss schlecht absprechen, auf der anderen Seite sind da immer diese verschrobenen Rhythmen, die sie, neben der Ähnlichkeit der Stimmen, öfter mal in einem Satz mit den Arctic Monkeys erwähnt werden lassen.

Balthazar erzeugen monumentalen, melancholischen Indierock, aus dem sich, wie aus dichtem Nebel, immer wieder Melodien befreien. Dadurch liegt eine Spannung in der Musik, da Songs immer wieder in verschiedene Richtungen und Rhythmen ausbrechen können. Mal laufen sie in einen fünfstimmigen Chor, mal in laute Instrumentalparts, mal führen sie in Soloausflüge und klingen im Stillen aus. Sie liefern eindringliche, nachdenkliche, tanzbare Musik.

Und wenn die Texte teilweise in die tiefsten Trivialitäten des Lebens und der Liebe führen, so werden diese doch so eindrucksvoll besungen, dass sie ergreifen. Und nichts erscheint mehr nichtig, wenn es dir fünfstimmig und inbrünstig entgegengesungen wird und wenn es sich in einen dröhnenden Groove einfügt, der zur Bewegung zwingt. Und es ein ausverkaufter Heimathafen mitsingt. In diesen Momenten ist der Club eingenommen, der alte Saal hat einen neuen Sinn gefunden und richtet sich auf das passiv beleuchtete Balthazar-Logo aus, die vielmehr über allem zu schweben scheint, als der Stuck und die Holztribüne es je vermögen.

Die Show hinterlässt bleibenden Eindruck. Klar, die kleinen Balthazar erfahren momentan ein enormes Wachstum und sie können mittlerweile ganz andere Räume ausfüllen. Die Nummer kann überall funktionieren. Aber irgendwie wird man den Eindruck nicht los, dass es richtig war, sie sich im Heimathafen anzugucken.

 

Gregor

A Tale Of Golden Keys im Ramones Museum – 21.3.2015 – Interview + Konzert

Kalte verregnete Samstage eignen sich bestens für Besuche in Museen. Und es muss ja nicht gleich die Alte Nationalgalerie sein, vielleicht tut’s ja auch das Ramones Museum in Mitte. Immerhin läuft da immer gute Musik und es tummeln sich interessante Leute. Drei von denen, die sich am 21.3. dort einfanden, habe ich interviewt. Okay, sie waren nicht für die Ramones da und schon gar nicht wegen des Wetters, sondern für ein Konzert. Nämlich ihr eigenes: die bayerische Band A Tale of Golden Keys. Zwischen Abendessen und Soundcheck fanden Schlagzeuger Jonas, Bassist Flo und Sänger, Pianist und Gitarrist Hannes kurz Zeit für die merkwürdigen Fragen von berlinmittemusic.

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Woher kennt ihr euch?

 

Flo: Jonas und ich haben vorher in einer anderen Band zusammengespielt und mit Hannes habe ich Abitur gemacht.

 

Ihr seid also zusammen aufgewachsen?

 

Hannes: Ja, im Prinzip. Wenn man es romantisieren will.

Flo: Um‘s Abi herum haben wir uns gedacht, wir machen mal zu dritt Musik. Das hat dann so gut geklappt, dass wir daraus eine Band gemacht haben. Das ist jetzt fünf Jahre her.

 

Wie seid ihr auf den Bandnamen gekommen?

 

Flo: Als Idee für einen Bandnamen stand „A Tale Of …“ in Anlehnung an „A Tale of Two Cities“ von Charles Dickins schon lange im Raum und wir haben etwas gesucht, was dahinter passt. Jonas hatte dann die Idee zu „Golden Keys“ und wir haben es zusammengefügt.

 

Es klang also einfach schön?

 

Hannes: Es klang einfach schön.

 

Und geht es um Schlüssel oder Tasten in der Geschichte?

 

Jonas: Große Frage.

Flo: Wer weiß, wer weiß?

 

Aber was habt ihr vor Augen, wenn ihr den Bandnamen lest?

 

Hannes: Schlüssel. Auf jeden Fall!

 

Also einen goldenen Schlüsselbund?

 

Hannes: Genau.

Jonas: Noch nicht einmal unbedingt goldene. Einen grauen vielleicht.

Flo: Auch ein grauer Schlüssel kann golden sein.

 

Ich finde, eure Musik klingt recht unabhängig von direkten Einflüssen großer Bands oder von irgendwelchen starren Genres. Ich nehme an, euer Sound hat sich über eine Weile entwickelt, oder? Gab es am Anfang Bands, an denen ihr euch orientiert habt?

 

Flo: Nein. Wenn dann haben andere Bands eher unterbewusst in unseren Sound hineingespielt. Das ist jetzt wahrscheinlich auch noch so.

Hannes: Als wir unsere allerersten Auftritte gespielt haben, klangen wir noch ganz anders. Da wurde immer der Muse-Vergleich gezogen, der damals vielleicht ein bisschen gepasst hat und jetzt gar nicht mehr. Es hat sich auf jeden Fall extrem viel entwickelt – natürlich nicht komplett unabhängig von irgendwelchen Einflüssen, aber die Einflüsse sind tatsächlich sehr verschieden, weil wir alle drei auch zum Teil sehr unterschiedliche Musikgeschmäcker haben.

 

Also war es letztendlich einfach die Musik die rauskam, als ihr zusammengespielt habt?

 

Hannes: Jap. Kann man so sagen.

 

Ich habe mich Folgendes gefragt: Angenommen, ich würde schreiben, ihr macht wuchtigen Postrock – könntet ihr damit leben oder würdet ihr lieber etwas anderes über euch lesen?

 

Flo: Ich könnte mir vorstellen, Postrock ist ein bisschen irreführend. Aber damit könnten wir schon auch leben.

Jonas: Wuchtig ist irgendwie witzig.

Flo: Das sollen Journalisten entscheiden!

 

Ich hatte gehofft, ihr könntet mir diese Last abnehmen. Ich habe auf jeder Seite über euch eine andere Musikrichtung gefunden.

 

Hannes: Ich glaube, wir tun uns mittlerweile gar nicht mehr so schwer damit, es einfach Pop zu nennen. Aber halt Pop im Sinne von “Melodien” und nicht im Sinne von “läuft im Radio”. Also “Postpop” vielleicht!

 

Ihr habt schon ein paar Sachen aufgenommen, oder?

 

Flo: Genau, zwei physische EPs (darunter „1912“) und eine digitale („Tired of me“).

 

Und eine Single („Travelling Lights“) habt ihr ja auch gerade draußen. Wie geht es weiter? Ist ein Album geplant?

 

Jonas: Ja. Wir sind im April im Studio und nehmen ein Album auf. Das wird Ende des Jahres, Anfang nächsten Jahres erscheinen.

 

Cool. In Nürnberg?

 

Flo: In der Nähe von Nürnberg. Ganz idyllisch auf einem Dorf.

 

Ich habe gelesen, dass ihr ein Bandhaus in Nürnberg habt. Was hat es damit auf sich?

 

Jonas: Wir kommen ja alles aus dem Nürnberger Umland und meine Oma hatte da ein Haus, das nun leerstehend ist. Und wir dürfen das als Bandproberaum benutzen.

 

Und da macht ihr Wochenendsessions?

 

Jonas: Ab und zu, ja. Wenn wir Zeit haben. Gerade ist es ein bisschen schwierig. Wir müssen uns da echt Zeit nehmen. Und dann treffen wir uns da und haben ein schönes Wochenende, können über Nacht spielen, so laut wir wollen.

 

Und glaubt ihr, ihr würdet ohne das Haus anders klingen? Prägt es euren Sound?

 

Flo: Wahrscheinlich schon, weil wir sonst nicht so proben könnten, wie wir es jetzt tun. Allein schon in der Nacht zu proben ist immer schon ein ganz anderes Feeling als am Tag zu proben.

 

Sind eure aktuellen Bandfotos auch in dem Haus entstanden?

 

Jonas: Wir haben mal Fotos da gemacht, ja.

 

Ihr seid jetzt schon eine Weile auf Tour. Und das ist eure längste Tour bisher, oder?

 

Flo: Genau, das ist die dritte Woche.

 

Könntet ihr euch an den Alltag gewöhnen?

 

Jonas: Jetzt sind wir gerade so richtig drin. Ich glaub, ich könnte mich daran gewöhnen! Nächste Woche ist es leider schon wieder vorbei.

 

Hattet ihr gute Konzerte bisher?

 

Flo: Ja, auf jeden Fall. Fast ausschließlich gute Konzerte.

 

Und irgendwelche interessanten Tourerlebnisse?

 

Hannes: Das neue für uns ist, dass es unsere erste längere Solotur ist, bei der man nicht irgendwo als Support mifährt – und dass dafür echt alles supergut war. Das hätte nicht unbedingt so sein müssen.

 

Wart ihr nervöser, weil es eine Solotour ist und es um euch geht?

 

Flo: Jein. Man macht sich schon andere Gedanken, denn die Leute zahlen deinetwegen Geld und kommen nur für dich. Das ist schon etwas anderes, als wenn du irgendwo als Support mitfährst.

Jonas: Gestern war es ganz witzig. In Bielefeld war im Anschluss an unser Konzert eine Grand-Hotel-van-Cleef-Label-Party mit DJ-Set. Und wir waren die Hauptband und allein auf der Bühne. Da waren viele Grand-Hotel-van-Cleef-Fans, die dadurch irgendwie auch Fans von uns geworden sind. Das hat uns gut gefallen.

 

Hat euch also gut aufgenommen in der Grand-Hotel-van-Cleef-Familie?

 

Jonas: Die haben uns –in Bielefeld zumindest– sehr gut aufgenommen.

 

Zum Ende hin noch eine Frage zu eurem heutigen Konzert, auf dem ich nachher auch sein werde. Angenommen, ich müsste noch überzeugt werden: Was erwartet mich?

 

Hannes: Wir wissen noch nicht genau, was dich erwartet, weil wir die Bühne und die Anlage noch nicht direkt inspizieren konnten.

Flo: Also es ist noch die Frage, ob wir wuchtigen Postrock spielen können, oder alles etwas reduzierter machen.

Jonas: Vielleicht wird das heute etwas seichter.

 

Das macht ihr also spontan?

 

Hannes: Ja genau, je nachdem, wie die Möglichkeiten halt sind.

Jonas: Wir würden dir am liebsten wuchtigen Postrock bieten.

 

Ihr müsst euch für mich nicht verstellen, ich komm eh. Aber vielleicht könnt ihr mir zum Abschluss noch kurz helfen: Eure Musik in einem Satz?

 

Hannes: Jeder sagt ein Wort, okay?

 

Okay.

 

Hannes: Melancholisch.

Jonas: Energie.

Flo: Pop.

Hannes: Melodisch, Energie, Pop. Das trifft es eigentlich wirklich am besten.

 

Vielen Dank!

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Zugegeben, auf einen Muse-Vergleich wäre ich bei den 2015er-A Tale Of Golden Keys wirklich nicht gekommen. Aber beides sind Bands, die musikalisch auf Reisen zu sein scheinen. Da trifft man sich schon mal. Ich hätte trotzdem eher an Bands wie The Notwist gedacht. Aber spätestens das Konzert am Abend hat mir endgültig eingehämmert, dass man mit der Vergleichsnummer bei A Tale Of Golden Keys wirklich nicht weit kommt. Anbei ein kurzer Versuch, das Unsagbare in Worte zu fassen: Besondere Merkmale ihrer Musik sind zunächst ein gekonnter, fast folkiger mehrstimmiger Gesang, dann live das Zurückstellen von Posen und Selbstdarstellungen hinter die Essenz, nämlich den optimalen gemeinsamen Klang, und zuletzt vor allem auch ein extrem breites Spektrum sowohl an Harmonien als auch an Sounds.

 

Mit dem wuchtigen Postrock lag ich trotz alledem bei dem Konzert am Abend ziemlich weit daneben. Denn A Tale of Golden Keys machten im Ramones Museum etwas, was ironischer Weise gerade die Ramones wohl nicht hinbekommen hätten: Sie passten sich an – und spielten anstatt einer Clubshow, wenngleich im Sitzen, so doch aus dem Stand ein perfekt auf den Raum und die Atmosphäre abgestimmtes ruhiges und gefühlvolles Set, das zwei Dinge zeigte: was für verdammt gute, vielseitige Musiker sie sind, und dass man von ihnen noch eine Menge erwarten kann.

Gregor

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