The Fever – Cheap Tattoo

Wenn The Fever in den drei Jahren seit ihrer Gründung etwas gelernt haben, dann ist es, sich in Szene zu setzen. Das fängt natürlich damit an, dass ihr Bandoutfit oberhalb der Gürtellinie nur aus ein paar Streifen Klebeband besteht, reicht aber weit in die Musik. Seit dem Umzug von Kalifornien nach Kreuzberg hat das Duo aus Sängerin und Gitarrist mit Liebe zu synthetischen Drums bereits eine Reihe von EPs ausgespuckt, die sich gewaschen haben.

 

Auf ihrer neuesten Erscheinung Cheap Tattoo zeigen sie zunächst, was sie nicht sind: Eine Band, die ihren Sound sucht. Eine Band, die sich zu ernst nimmt. Eine, die Wert auf tiefgründige Cover und Texte legt. Denn wenn man mal die Hard Facts betrachtet, verbergen sich hinter dem frechen lasziven Coverbild sechs scheinbar kleine Songs mit schlichten Sample-Rhythmen und prägnanten Lyrics.

 

The Fever verschenken also großzügig einfache Punkte. Warum? Weil sie’s können? Jap. Weil sie’s können. Das ist zwar an sich gewagt und auf jeden Fall nichts für Schülerbands. Aber bei The Fever zu einem wertvollen Stilmittel, das andere Bands plötzlich wie verzweifelte Spießer wirken lässt, während The Fever auf Cheap Tattoo beweisen, wie man aus jedem simpel plänkelnden Rhythmus einen reifen Rocksong holt.

 

Gut, klingt grundsätzlich alles etwas nach dem The Kills-Prinzip und die Ähnlichkeiten sind bestimmt nicht zufällig. Sei’s drum. Es geht ja um Musik und nicht um Prinzipien. Und die Kunst liegt in genialen Details. Und die reichen bei The Fever von griffigen Hooklines („I wear you like a cheap tattoo”) bis zu ‘ner Palette von Überraschungssounds. Da tanzen Gitarre, Synthies und Gesang auf schwermütigen Drums plötzlich wie Mäuse auf einem alten Sofa. Nicht zuletzt die ausgefeilte Produktion, in dem eine Menge Ahnung und Arbeit aufgehen, macht den Sound zu einem Original. Zu allem Überfluss klingt alles am Ende dann auch noch cool. Frechheit.

 

Link zur EP:

http://the-fever.bandcamp.com/album/cheap-tattoo-ep

Gregor

Andalucía – There Are Two Of Us

Die Gründung von Andalucía muss in etwa so gelaufen sein:

“Musik wär gut.”
“Ja, lass machen!”

Denn ihre jüngst erschienene Debüt-LP “There Are Two Of Us” klingt wie das unbeirrte Spiel zweier Scheißdrauftypen, denen egal ist, was die anderen machen. Sollen die sich doch um High-End-Produktionen mit zurechgeschnibbeltem Gesang prügeln oder Bassisten beschäftigen. Andalucía prügeln lieber auf ihre Instrumente ein. Zusammen klingt das dann, als würden sich E-Gitarre und Schlagzeug einen Boxkampf liefern, dem man auf dem Album acht Runden lang lauschen darf. Der Gesang verziert das Ganze wie melancholische Nummerngirls, die sich, ihrer Schutzlosigkeit bewusst, bemühen, nicht in den Kampf hineingezogen zu werden. Die oft verzweifelten Spuren tragen zwar immer mal wieder maßgeblich zur Ästhetik und zum Erlebnis der Songs bei, werden aber im Gesamtsound zur Nebensache. Viel eher geht es bei dem Ganzen um pure Spielfreude.

Andalucía liefern letztlich eine clevere Performance ab, in der es gelingt, ihre Instrumente facettenreich zu inszenieren, stets bemüht um den entscheidenden Schlag. Da weiß man am Ende mal wieder zu schätzen, was in einer Jazzmaster steckt, wenn man durch gestaffelte Sounds alles aus ihr rausholt, oder kriegt allein schon mal wieder ein Gespür dafür, wie Toms klingen können, wenn sich kein Bass in die Frequenz mogelt. Wie Bauchschläge nämlich. Am Ende steht ein völlig eigener Sound aus verschroben ineinandergreifenden Rhythmen und verspielten Harmonien, eine authentische Ode an die Low Fidelity, die sagen will: “Das sind wir, so viel geht bei uns, hättet ihr nicht gedacht, was? Tja, was auch immer.”

Link zum Album: http://andaluciaandalucia.bandcamp.com/releases

 

Gregor

Faded Paper Figures – Relics

Die kalifornische Band Faded Paper Figures lädt zum Tanzen ein! Oder vielleicht doch eher zum Mitwippen. Denn in ihren Synthiepop hat sich eine ganze Schippe Melancholie geschlichen.

 

Mit ihrem im August erscheinenden Sprössling Relics gelingt dem Trio ein pfiffiges, verträumtes Album, das sich vor allem darin von anderen Bands des Genres absetzt und darin experimentell ist, dass es neue Akkordwege geht und verschiedenste Einflüsse zulässt. Da sind neben Männlein-Weiblein-Gesang Beats, Bässe, Gitarren, aber auch Ukulelen-, Sitar-, Geigen-, Banjo-, Klavier- und Mandolinenklänge; und eben Synthies.

 

Manchmal klingt das Ganze nach Gitarrenpop, manchmal nach Rock, mal erinnert die Musik an US-amerikanische, mal an chinesische Folklore. Dann plötzlich nach dem Soundtrack eines Jump-n-Run-Spiels. So pendelt es sich, wenn man unbedingt mit Schubladen anfangen möchte, auf einer Skala von CHVRCHES bis Miho Hatori ein. Wer damit zurechtkommt, dass mitten in den Songs plötzlich irgendetwas zu piepen anfängt, den erwarten im Weiteren ausschließlich positive Überraschungen und ein gleichzeitig abwechslungsreiches und intimes Album, das mal antreibt, mal genüsslich plätschert. Ganz so, als wäre alles gar nicht so schlimm. Perfekt für den Sommer.

Gregor

 

Verlosung

Wir verlosen 2 Mal die CD Relics von den Faded Paper Figures - schreibt uns bis zum 05.08.2014 eine Mail an

mail@berlinmittemusic.com .

Junkyard Rebellion

Junkyard Rebellion ist eine Berliner Crossover Band im Stil der 90iger Jahre – ihr größter Einfluss ist wohl Rage against the Machine.

Die Band gründete sich vergangenes Jahr und macht wirklich intensive, körperdurchdringende Musik.

Im August erscheint die EP von Junkyard Rebellion, im Sage Club wird das Release Konzert stattfinden. Hingehen lohnt sich, kann ich da nur sagen!!!

Am 30.08. spielen sie außerdem in der Weissen Rose.

Ich habe die Jungs in ihrem Proberaum besucht, dort ist das Interview entstanden.

Hier der Link zum Interview + dem Song “Born in a cage”:

 

www.Junkyard-Rebellion.de

http://www.facebook.de/junkyardrebellion

Herbstlaub – Hauch

Der Begriff „Hauch“ bezieht sich laut Definition auf verschiedene fein getrennte Phänomene, etwa (1) einen sichtbar oder fühlbar werdenden Atem, (2) einen leichten Luftzug oder (3) einen kaum wahrnehmbaren Geruch oder leichten Duft. Ihre gemeinsame Bezeichnung bezieht sich auf tiefe Gemeinsamkeiten in ihrer Wahrnehmbarkeit.

 

Lebewesen sind auf der Erde allgegenwärtig, man nimmt ihr Atmen kaum wahr. Doch wird man sich einem Atem bewusst und wird er sichtbar oder fühlbar, dann entfaltet sich ein Universum – das Leben selbst wird erfahrbar. In einer Welt voller Gerüche einen leichten Duft wahrzunehmen, lässt einen oft innehalten – sei es die eine besondere, lang vergessene Zutat in einer aufwendigen Speise oder der Duft eines geliebten Menschen zu einer bestimmten Zeit. Es entfalten sich Erinnerungen an Situationen oder Gefühle. Ein Hauch schärft die Sinne, lenkt die Wahrnehmung und macht uns auf durchdringende Weise bewusst, wie wenig wir über die Welt wissen, durch die wir jeden Tag laufen. Wenn man ihn lässt.

 

Auch Musik kann das: Erinnerungen wachrufen, Gefühle transportieren. Wie fein sie ihre Wirkung zu streuen vermag, beweist auf eindrucksvolle Weise das im Mai auf Vinyl erschienene Konzeptalbum Hauch des belgischen, in Berlin lebenden Künstlers Herbstlaub. Ihm gelingt das Experiment, das, was die verschiedenen Erscheinungsformen eines Hauchs ausmacht, in einem feinen Ambient-Sound abzubilden.

 

Musikalisch setzt sich Herbstlaub, wie von früheren Werken gewohnt, keine Grenzen. Oft entfalten sich scheinbar elementare Klänge durch eine aufmerksame, arpeggienhafte Komposition zu vollständigen synthetischen musikalischen Landschaften, wo man gar keine vermutet hatte. Ab und zu klingt eine Gitarre durch, bevor sie sich wieder entfremdet und einfügt. Dann klingt es kurz nach Postrock, vielleicht sogar ein wenig nach Sigur Rós. Auch ist da Gesang, doch es dringen keine Verse durch das Soundgerüst. Nur ein Hauch in einem Ganzen. Wo es eines Beats bedarf, wird er zugelassen, meistens vermieden.

 

Herbstlaubs Musik ist unkonventionell und arbeitet so geschickt mit Leerstellen, dass sie ihren Hörer zum Denken anregt. Sie erzeugt ein Bewusstsein für etwas, das vorher scheinbar gar nicht da war. Obwohl es dagewesen sein muss. Aber sie drängt sich nicht auf und lässt einem die Wahl, sie neben sich verstreichen zu lassen, wie die Atemzüge und Gerüche seiner Umwelt, wie alle Erscheinungsformen des Lebens. Dann stellt sich die Frage, ob das Konzept des Albums für jeden ersichtlich wird, denn es erfordert dann doch die nötige Aufmerksamkeit.

 

Für diejenigen, für die es sich jedoch erschließt, scheint es, als müsste die oben angeführte Definition des Begriffs „Hauch“ nunmehr um eine weitere Erscheinungsform ergänzt werden:

 

(4) ein liebevolles, ausgefeiltes und komplexes Ambient-Album.

 

Hier der Link zum Album:

http://federleicht.bandcamp.com/album/hauch 

 

Gregor