Kraftklub, Geheimkonzert an der Hoppetosse, Berlin 18.9.2014

Foto: Katharina Grosse

Komisch, noch vor ein paar Wochen konnte ich mich in der Sicherheit wähnen, dass ich, wenn ein Kraftklub-Konzert ansteht, alle Texte mitsingen kann. Das beruhigt ungemein, wenn man in der Badewanne sitzt. Dann kam aus dem Nichts eine Vorabsingle und vor ein paar Tagen ein neues Album. Kein Grund zur Beunruhigung, dachte ich, bis zur Tour ist es ja noch ein bisschen. Aber nein, Kraftklub überrennen weiter.

 

Und plötzlich finde ich mich auf einem Parkplatz zwischen Arena Treptow und Spree wieder, am Anleger der Hoppetosse. Um mich rum 1000 Leute Publikum, von denen morgens noch keiner gewusst hat, dass dieses Konzert sie hier in den Sonnenuntergang begleiten würde. Vor mir einer dieser Red-Bull-Busse mit Bühnen auf dem Dach. Vielleicht ist es auch immer derselbe, aber jetzt war er plötzlich schwarz. Alles war in schwarz. Fuhrwerk, Bierbuden, Crew und die Band: Kraftklub. Die an jenem 18.9. ein kostenloses Exklusivkonzert ihrer Geheimtour „Konvoi in Schwarz“ zum Besten gaben.

 

Foto: Katharina Grosse

 

Um sechs war Einlass, um sieben erklomm die Band den Bus. Und dann geschah es plötzlich. Ich stand auf einem Kraftklub-Konzert und war scheinbar der einzige, der die Texte nicht kannte. Das neue Album war zu dem Zeitpunkt seit sechs Tagen draußen und ein begeisterter Mob schrie ihnen jedes Wort entgegen, tanzte, hüpfte, machte alles mit. Zugegeben, ein paar Lieder gingen bei mir doch. Aber das waren dann die Hits vom alten Album, die eh jeder mitsingen kann, der ab und zu Radio hört. Im Ernst, wen wundert noch, dass ein tausendstimmiger Chor in Berlin vor einer Kulisse aus Spree, Oberbaumbrücke und Fernsehturm mitgrölt, dass er nicht nach Berlin will? Die Zugezogenen aus dem Creative-Bereich genauso laut wie ihre Hasser. Überhaupt, eine witzige Runde auf dem Konzert. Fünfzehnjährige, die sich darüber unterhalten, dass sie die Band schon kannten, als sie zwölf waren. Mittdreißiger, die darüber reden, dass Kraftklub sie an die frühen Beatsteaks erinnern. Eine Meute Presseleute. Live übertragende Radiofritzen. Leute mit Videokameras. Eine aufmerksame Spiegelreflexfront, ein wippender Biergürtel. Alles dabei.

 

Foto: Katharina Grosse

 

Kraftklub stellen mit einem einstündigen Set nicht zum ersten Mal unter Beweis, dass sie diejenige deutsche Band sind, die sich am besten auf PR versteht. Ihr neues Album knüpft nahtlos da an, wo bei ihrer ersten Platte die Nadel abgesetzt hat: Prägnante Riffs, clevere Songs, griffige Hooklines, ironische Texte, die ihren Kritikern die Themen klauen. Es gelingt, auf In Schwarz, die Ideen von Mit K auf den Stand von 2014 zu münzen. Immer noch singen sie über Gentrifizierung, Rüpeltum und das uncoole Gefühl, verliebt zu sein. Neu sind Songs über Kommerzialisierung. Sie sind nicht mehr die Band, die aus dem Nichts plötzlich einfach da ist. Aber ihr schlagartiges Comeback löst einen ähnlichen Effekt aus, an den man sich alle paar Jahre gewöhnen könnte. So lange sie es schaffen, immer aktuell zu bleiben, ist da auch kein Ende abzusehen.

 

Kraftklub live geht auf jeden Fall immer. Sie beherrschen ihr Publikum. Und erwecken dabei stets den Eindruck, kleine pöbelnde Jungen zu sein, die einfach mal gucken, wie weit sie mit der Nummer kommen und sich dann ein Schmunzeln nicht verkneifen können, wenn sie merken, wie gut es klappt. Und es klappt verdammt gut. Zwischendurch erzählt ihr Frontturner Felix Brummer nicht ohne Stolz von der erschreckenden Verletztenliste ihrer „Konvoi-In-Schwarz“-Tour, mahnt zur Vorsicht vor herausspringenden Kniescheiben und brechenden Knöcheln, lädt aber einen Song später wieder zum Crowdsurfen ein. Das dominierende Gefühl des Abends heißt YOLO.

Foto: Katharina Grosse

 

Als der Konvoi schwarzer Trucks voller schwarzgekleideter Musiker und Crewmitglieder, denen das Auftreten als Bande gelingt, Berlin wieder verlässt, verbleiben 1000 Leute, die sich ebenfalls ein Schmunzeln nicht verkneifen können. Den Rotzlöffeln von Kraftklub ist ihre Promotour sehr wohl gelungen. Mag man ja nicht zugeben. Klar, der Merch ging weg wie warme Schrippen, doch um Käufe zu betteln wäre unter ihrem Niveau. Appell des Abends: „Wir sind Kraftklub. Wenn ihr es noch nicht getan habt, dann ladet euch unser neues Album illegal runter! Und wenn es euch gefällt, dann kauft es euch!“ Oder eben nicht. Aber es nützt nichts. Schwarz steht ihnen gut.

 

Gregor

The Fever – Cheap Tattoo

Wenn The Fever in den drei Jahren seit ihrer Gründung etwas gelernt haben, dann ist es, sich in Szene zu setzen. Das fängt natürlich damit an, dass ihr Bandoutfit oberhalb der Gürtellinie nur aus ein paar Streifen Klebeband besteht, reicht aber weit in die Musik. Seit dem Umzug von Kalifornien nach Kreuzberg hat das Duo aus Sängerin und Gitarrist mit Liebe zu synthetischen Drums bereits eine Reihe von EPs ausgespuckt, die sich gewaschen haben.

 

Auf ihrer neuesten Erscheinung Cheap Tattoo zeigen sie zunächst, was sie nicht sind: Eine Band, die ihren Sound sucht. Eine Band, die sich zu ernst nimmt. Eine, die Wert auf tiefgründige Cover und Texte legt. Denn wenn man mal die Hard Facts betrachtet, verbergen sich hinter dem frechen lasziven Coverbild sechs scheinbar kleine Songs mit schlichten Sample-Rhythmen und prägnanten Lyrics.

 

The Fever verschenken also großzügig einfache Punkte. Warum? Weil sie’s können? Jap. Weil sie’s können. Das ist zwar an sich gewagt und auf jeden Fall nichts für Schülerbands. Aber bei The Fever zu einem wertvollen Stilmittel, das andere Bands plötzlich wie verzweifelte Spießer wirken lässt, während The Fever auf Cheap Tattoo beweisen, wie man aus jedem simpel plänkelnden Rhythmus einen reifen Rocksong holt.

 

Gut, klingt grundsätzlich alles etwas nach dem The Kills-Prinzip und die Ähnlichkeiten sind bestimmt nicht zufällig. Sei’s drum. Es geht ja um Musik und nicht um Prinzipien. Und die Kunst liegt in genialen Details. Und die reichen bei The Fever von griffigen Hooklines („I wear you like a cheap tattoo”) bis zu ‘ner Palette von Überraschungssounds. Da tanzen Gitarre, Synthies und Gesang auf schwermütigen Drums plötzlich wie Mäuse auf einem alten Sofa. Nicht zuletzt die ausgefeilte Produktion, in dem eine Menge Ahnung und Arbeit aufgehen, macht den Sound zu einem Original. Zu allem Überfluss klingt alles am Ende dann auch noch cool. Frechheit.

 

Link zur EP:

http://the-fever.bandcamp.com/album/cheap-tattoo-ep

Gregor

Andalucía – There Are Two Of Us

Die Gründung von Andalucía muss in etwa so gelaufen sein:

“Musik wär gut.”
“Ja, lass machen!”

Denn ihre jüngst erschienene Debüt-LP “There Are Two Of Us” klingt wie das unbeirrte Spiel zweier Scheißdrauftypen, denen egal ist, was die anderen machen. Sollen die sich doch um High-End-Produktionen mit zurechgeschnibbeltem Gesang prügeln oder Bassisten beschäftigen. Andalucía prügeln lieber auf ihre Instrumente ein. Zusammen klingt das dann, als würden sich E-Gitarre und Schlagzeug einen Boxkampf liefern, dem man auf dem Album acht Runden lang lauschen darf. Der Gesang verziert das Ganze wie melancholische Nummerngirls, die sich, ihrer Schutzlosigkeit bewusst, bemühen, nicht in den Kampf hineingezogen zu werden. Die oft verzweifelten Spuren tragen zwar immer mal wieder maßgeblich zur Ästhetik und zum Erlebnis der Songs bei, werden aber im Gesamtsound zur Nebensache. Viel eher geht es bei dem Ganzen um pure Spielfreude.

Andalucía liefern letztlich eine clevere Performance ab, in der es gelingt, ihre Instrumente facettenreich zu inszenieren, stets bemüht um den entscheidenden Schlag. Da weiß man am Ende mal wieder zu schätzen, was in einer Jazzmaster steckt, wenn man durch gestaffelte Sounds alles aus ihr rausholt, oder kriegt allein schon mal wieder ein Gespür dafür, wie Toms klingen können, wenn sich kein Bass in die Frequenz mogelt. Wie Bauchschläge nämlich. Am Ende steht ein völlig eigener Sound aus verschroben ineinandergreifenden Rhythmen und verspielten Harmonien, eine authentische Ode an die Low Fidelity, die sagen will: “Das sind wir, so viel geht bei uns, hättet ihr nicht gedacht, was? Tja, was auch immer.”

Link zum Album: http://andaluciaandalucia.bandcamp.com/releases

 

Gregor

Faded Paper Figures – Relics

Die kalifornische Band Faded Paper Figures lädt zum Tanzen ein! Oder vielleicht doch eher zum Mitwippen. Denn in ihren Synthiepop hat sich eine ganze Schippe Melancholie geschlichen.

 

Mit ihrem im August erscheinenden Sprössling Relics gelingt dem Trio ein pfiffiges, verträumtes Album, das sich vor allem darin von anderen Bands des Genres absetzt und darin experimentell ist, dass es neue Akkordwege geht und verschiedenste Einflüsse zulässt. Da sind neben Männlein-Weiblein-Gesang Beats, Bässe, Gitarren, aber auch Ukulelen-, Sitar-, Geigen-, Banjo-, Klavier- und Mandolinenklänge; und eben Synthies.

 

Manchmal klingt das Ganze nach Gitarrenpop, manchmal nach Rock, mal erinnert die Musik an US-amerikanische, mal an chinesische Folklore. Dann plötzlich nach dem Soundtrack eines Jump-n-Run-Spiels. So pendelt es sich, wenn man unbedingt mit Schubladen anfangen möchte, auf einer Skala von CHVRCHES bis Miho Hatori ein. Wer damit zurechtkommt, dass mitten in den Songs plötzlich irgendetwas zu piepen anfängt, den erwarten im Weiteren ausschließlich positive Überraschungen und ein gleichzeitig abwechslungsreiches und intimes Album, das mal antreibt, mal genüsslich plätschert. Ganz so, als wäre alles gar nicht so schlimm. Perfekt für den Sommer.

Gregor

 

Verlosung

Wir verlosen 2 Mal die CD Relics von den Faded Paper Figures - schreibt uns bis zum 05.08.2014 eine Mail an

mail@berlinmittemusic.com .

Junkyard Rebellion

Junkyard Rebellion ist eine Berliner Crossover Band im Stil der 90iger Jahre – ihr größter Einfluss ist wohl Rage against the Machine.

Die Band gründete sich vergangenes Jahr und macht wirklich intensive, körperdurchdringende Musik.

Im August erscheint die EP von Junkyard Rebellion, im Sage Club wird das Release Konzert stattfinden. Hingehen lohnt sich, kann ich da nur sagen!!!

Am 30.08. spielen sie außerdem in der Weissen Rose.

Ich habe die Jungs in ihrem Proberaum besucht, dort ist das Interview entstanden.

Hier der Link zum Interview + dem Song “Born in a cage”:

 

www.Junkyard-Rebellion.de

http://www.facebook.de/junkyardrebellion