Nach fünfjähriger Bandgeschichte veröffentlichen A Tale of Golden Keys ihr Debütalbum Everything Went Down as Planned. Dem wiederum hört man an, dass die drei talentierten Musiker des Projekts ihre gemeinsame Zeit sinnvoll genutzt haben und zu einer gereiften Band zusammengewachsen sind. Als solche haben sie sich von EP zu EP immer weiter von gängigen Genres isoliert, weshalb auch immer das leise Gefühl mitschwingt, ihre Kunst kaputtzumachen, sobald man anfängt, sie zu beschreiben. Für Pop haben sie zu viel Kraft, für Rock zu viel Feingefühl, für Folk stehen sie zu sehr auf Synthesizer, für Synthiepop zu sehr auf hohle Instrumente. Und für New Weird Bavarian sind sie zu bescheiden. Aber warum soll man sich auch einschränken, wenn doch der perfekte eigene Sound irgendwo zwischen den Schubladen rumliegt und man in der komfortablen Lage ist, ihn zu finden? Und A Tale of Golden Keys tragen nunmal diese seltene Begabung mit sich herum, aus den verschiedenen Indie-Elementen etwas Eigenes zu schaffen: einen völlig unaufgeregten Crossover.

Und die Unentschiedenheit des Genres ist es auch, was ihre Musik spannend macht, die sonst eher zurückhaltend ist und ihren Hörer*innen selbst durchaus Sensibilität abverlangt. Über subtilen, aber bestimmten Rhythmen und feinen Harmonien liegt ein andächtiger, mehrstimmiger Gesang. Sie haben viel Kraft, setzen diese aber bescheiden und klangverliebt ein. Immer wieder erarbeiteten sie sich diese aus der Tiefe leiser Klänge und zeigen, dass ein einfacher Klavierton härter einschlagen kann als ein Gitarrensolo. Sie hätten das Ganze einfacher haben können, aber wählen eben die anspruchsvollere Variante. Und an den Stellen, an denen ihre Musik dann wirklich ausbricht, kommt dies, dadurch, dass zuvor alle Alternativen durchgespielt wurden, viel mehr zum Tragen und erscheint so verdient und unausweichlich, dass es gezielten Sprengungen gleicht, die ja bekanntlich zu den schönsten Erscheinungen überhaupt zählen (man muss ja nur mal bei YouTube „Gebäudesprengung“ eingeben). „Everything Went Down as Planned“ entpuppt sich als überaus trefflicher Titel, so wie der Herbst sich als ein dankbarer Zeitraum für das Releasedatum erweist. Denn man kann die kalten, sonnigen Herbsttage zwar auch komplett ohne Musik genießen, aber mit den melancholischen Songs, die A Tale of Golden Keys nunmehr auf den Markt geworfen haben, fällt das doch erheblich leichter.

 

Gregor