Es war legendär was dort in den Hallen des Astra Kulturhauses vor sich ging.

4 junge Boys schwitzen auf der Bühne, junge willige Mädels schrieen sich an der Absperrung die Seele aus dem Leib und Radio Eins-Hörer grölten jeden Song mit…….

Um 20Uhr sollte es losgehen, auf der aufgebauten Bühne standen 3 riesige Buchstaben. Ein „A“, ein „D“ und ein „I“…… Eine österreichische Band in Deutschland mit dem 2 Meter hohen Schriftzug „ADI“ auf der Bühne. Gewollte Provokation? Wäre jetzt nicht sonderlich ungewöhnlich für das Rehauge Maurice und Co.

Das Publikum war äußerst bunt gemischt, vor der Bühne saßen die jungen Hühner auf dem Boden und drückten sich ihre Gesichter in ihren Smartphones platt, daneben standen die älteren Herrschaften in ihren wahnsinnig teuren Wollmänteln mit Wohlstandsbrille auf der Nase.

ADI“ hat nichts mit Mr. Hitler zu tun, so sollten wir erfahren, viel mehr hieß die 1Frau-Vorband so. Eine junge, hübsche weibliche Erscheinung bestieg die Bühne und knallte einem mit dem ersten Beat fast das komplette Gehör aus dem Schädel. Auf bassigen Beats setzte sie ihre unfassbar klare und laute Stimme drauf, loopte einiges und brachte auch den ungelänkigsten Gast zum mitschwingen.

Nach einem kurzen Umbau des Bühnensets kamen ein paar Erscheinungen in der Dunkelheit die Bühne hinauf und positionierten sich hinter ihren Instrumenten. Die Musik fing an zu schallen und ein komisches Gefühl stieg in den Gästen hoch…. „Das kann doch nicht Bilderbuch sein, was ist hier los“, die Vibes im Publikum wurden unübersichtlich und da ging dann auch schon das Licht an. Noch eine Vorband, alles klar- also noch eine Weile durchhalten bis die Halbgötter aus Wien endlich zu uns sprechen um uns zu verführen.

Olympique aus Österreich zogen im ersten Moment jede Menge Argwohn auf sich, da jeder Bilderbuch erwartete. Die Stimme des Sängers erinnert unfassbar stark an „Kings of Leon„. Olympique stellten sich als „Freunde von Bilderbuch“ vor,  ihre Musik erinnerte nicht an die von ihren Buddys aus Wien, eher lag der Vergleich zum Grönemeyer auf der Hand, denn der Sänger vernuschelt die Liedtexte bis ins Unverständliche.

Seine schlaksigen Bewegungen und der Versuch sich im Beat zu bewegen war dann aber durchaus entertainend genug um noch ein wenig auszuharren bis der Grund auf die Bühne kommen sollte wegen dem sich die ganze Berliner Mischpoke versammelt hatte.

Bilderbuch ließ sein Gefolge noch einmal 30 Minuten warten, unterhalten wurden wir unter anderen mit Songs von den Sugarbabes.

Dann aber dann, dann ging es los, sexy Blondschopf Maurice und seine Wiener Boys betraten die Bühne, Maurice streckte seinen Allerwertesten ins Publikum uns sagte „Du bist hinter meinem Hintern her, du willst ihn, gibs zu!“ und man nahm ihm alles ab was er sagte. Die Selbstinszinierung sitzt bis ins letzte Augenbrauenhochziehen.

Gespielt haben sie ihr neues Album, ein paar alte Klassiker wie „Joghurt auf der Bluse“ oder „Calypso„, natürlich hauten sie uns auch „Maschin“ um die Ohren und zu „OM“ verabschiedeten sie sich.

Maurice hat es sogar unbemerkt von der Bühne runtergeschafft und tauchte in der Menge seiner Anhänger ein, badete kurz in ihnen und hinterließ ihnen seinen Schweiß als Gottesgeschenk.

Michael, der wohl erotischste Gitarrist on earth beglückte mit seinen Bewegungen, seiner Gitarre als Gliedverlängerung und so coolen Blicken, dass es nicht ein Lächeln seinerseits ins Publikum schaffte. Sein Gitarrensolo bestritt er mit der Gitarre verkehrt herum im Nacken und hüftkreisend in Richtung Publikum.

Die Beatsteaks haben es sich natürlich auch nicht nehmen lassen dem Konzert beizuwohnen, Bilderbuch waren vor kurzem erst deren Vorband.

Bilderbuch, eine Band die uns die nächsten 50 Jahre unterhalten wird, sich uns neuentdecken lässt und uns geschickt mit äußerst intelligenten Texten und unfassbar erotisierenden Riffs in den körperlichen Verfall begleiteten wird.

 

Sarah