Kennt noch jemand einen Kampfstern namens Galactica? Ja? Echt? War ich also gar nicht der einzige, der seine Kindheit vor dem Fernseher verbracht hat? Nun, es scheint ganz so. Die Band PEER widmet jener Kult-Science-Fiction-Serie sogar ihr neues Album, das am 2.5. erscheinen wird. Galaktika also. Was erwartet uns?

Eine etwa halbstündige Sammlung liebevoller Deutschindiepopsongs, die auf eine besondere Art und Weise zugleich Unbeschwertheit ausstrahlen, aber doch unvergleichlich aufwühlend sind, die voller ruppiger Gesangslinien sind, aber doch Ohrwürmer, Einsichten und gute Laune hinterlassen – ein Album, das man sich nicht entgehen lassen darf.
Das Konzept von Galaktika ist bewährt: Da läuft Gitarrenmusik, die zwischen Indierock und Folk schwankt, aber auch den Country nicht scheut, dann plötzlich ganz ohne Gitarren auskommt und in Pianoballaden rudert. Mitten durch dieses glatte Gerüst beißt sich wiederum ein textlastiger deutschsprachiger Gesang. So betrachtet erinnert der Sound des Albums ein wenig an Andreas Dorau, NinaMarie, Katze oder Sven Van Thom (der es übrigens auch produziert hat). Aber im Gesang liegt natürlich die Kür dieses bunten Genres und da verschenken PEER hinsichtlich Individualität und Kreativität keine Punkte.

Denn ihr Leadsänger Peer Göbels weigert sich auf dem Album vehement, seine Messages hinter starren Versmaßen oder Reimschemen zurückzustellen – und das aus gutem Grund, denn er hat einiges zu sagen! So ereignet es sich auf Galaktika, dass liebevolle Songs nie kitschig werden, Schwermut auch in melancholischen Balladen niemals gewinnt, Chöre ausprobiert und doch wieder durchbrochen werden und ganz nebenbei fünf erwachsene Männer einen Versuch unternehmen, ihre Jugend zu vertonen.

Aus dem Wort-Ton-Verhältnis ergibt sich ein tief-ironisches und doch aufrichtiges Soundgerüst, hinter dem textlich viele Register gezogen werden und wenig Wert auf Konventionen gelegt wird. Es ist voll von Querverweisen auf die Geschichte des Pop, geschickten Umkehrungen abgenutzter Liebesthematiken oder Perspektiven auf die Welt und das Leben. Das Album fesselt vor allem dadurch, dass man nie weiß, was einen im neuen Song erwartet. Die Eröffnung macht ein Song namens Drop D voller erfrischend leicht präsentierter Gesellschafts- und Fortschrittskritik. Er ist gespickt mit intertextuellen Parolen, die im Vokabular der Popkultur das Verlorengegangene romantisieren, zum Beispiel alte Kommunikationswege, an denen nicht alles schlecht gewesen sein kann: „Telegraph killed the Brieftaube ist da“ sagt alles. Der Rest ist Geschichte. Dann kurz danach ein Song über Newton. Haben sie sich das auch gut überlegt?

Ja. Es scheint, als wäre Galaktika das Album, über das PEER ihr bisheriges Leben nachgedacht haben, auf dem sie viele wichtige Stützen ihrer Sozialisation preisgeben. Ungeniert liefern sie dabei das Porträt eines Zeitgeists, einer Generation, die ihre Jugend vor den elektronischen Medien verbracht hat und dazu steht. Denn sie weiß: Selbst wenn’s hart auf hart kommt, die Beziehung in die Brüche geht, der Job verloren geht – solange es noch Folgen von Battlestar Galactica gibt, die ich noch nicht gesehen habe (oder mal wieder sehen könnte), ist das alles nicht so schlimm. Was nehmen wir mit? Solange PEER noch Musik machen, kann uns nichts passieren.

Gregor